Tracheotomie beim Covid-19-Patienten(Stand: 13.04.2020)

Die Tracheotomie bei Covid-19 ist wie alle Atemwegs- und Beatmungs-Interventionen eine Hochrisikoprozedur für Patient oder Ptatientin und Personal. Mit steigender Zahl der im Rahmen einer SARS-Cov-2-Viruspneumonie beatmungspflichtigen Patienten sind Intensivmediziner auch zunehmend mit Fragestellungen zur Tracheotomie konfrontiert.

Indikation und Zeitpunkt

Aufgrund der aktuell vorliegenden Erfahrungsberichte wird empfohlen, beatmete Patienten mit Covid-19 nicht zu früh zu tracheotomieren. 

Während Patienten mit relativ unkomplizierten Covid-19-Verläufen in der Regel bereits nach fünf bis zehn Tagen erfolgreich geweant und extubiert werden können, resultiert eine prolongierte Beatmungspflichtigkeit in einer schlechteren Gesamtprognose. Die britische Vereinigung der HNO-Ärzte empfiehlt daher, wenn möglich, in Zeitintervall von etwa 10 bis 14 Tagen nach Intubation abzuwarten, bevor die Indikation zur Tracheotomie gestellt wird, um diejenigen Patienten identifizieren zu können, die am besten von der Prozedur profitieren. Diese Empfehlung beruht auf Expertenmeinungen und Literaturrecherchen. 

Zudem sinkt mit fortschreitender Erkrankungsdauer die Viruslast in den Atemwegen und damit das Infektionsrisiko für das Personal. Falls möglich, ist zu erwägen, das Ende der infektiösen Phase durch wiederholte PCR-Abstriche abzuwarten.

Generell muss die Indikation natürlich individuell gestellt werden, um patienteneigene oder lokale Faktoren zu berücksichtigen, die auch unter dem Gesichtspunkt der verfügbaren Ressourcen für oder gegen eine Tracheotomie sprechen.

Persönliche Schutzausrüstung und Personal

Bei allen Tracheotomien bei Covdi-19-Patienten muss auf die strikte Einhaltung der maximalen Hygienemaßnahmen und eine vollständige persönliche Schutzausrüstung geachtet werden (mindestens Haube, Schutzbrille/Faceshield, FFP3-Maske, flüssigkeitsdichter Kittel, Handschuhe, für Operateur ggf. spezielle Kopfbedeckung).

Die Prozedur sollte von einem in der Tracheotomie erfahrenen und eingespielten Team durchgeführt werden. Darüber hinaus ist wie bei allen anderen Maßnahmen an Covid-19-Patienten das Personal so weit wie möglich zu minimieren.

Falls verfügbar, sollte der Eingriff in einer Unterdruck-Umgebung stattfinden. Die Risiken eines gegebenenfalls nötigen Transportes sollten hierbei anhand der örtlichen Gegebenheiten gegen die Durchführung der Tracheotomie auf der Intensivstation abgewogen werden.

Da wir uns weiterhin noch an einem frühen Zeitpunkt der SARS-Cov-2-Pandemie befinden, können stets neue Erkenntnisse die Vorgehensweisen auch hinsichtlich der Tracheotomie verändern. 

Durchführung und bevorzugtes Verfahren

Auch wenn es keine publizierten Daten zur Anwendungssicherheit der verschiedenen Tracheotomieverfahren gibt, sollte aufgrund der geringeren Aerosolbildung wahrscheinlich die offen-chirurgische Tracheotomie gegenüber der perkutanen Dilatationstracheotomie (PDT) bevorzugt werden.

Es muss bedacht werden, dass bei der PDT zeitaufwändige Manipulationen wie Bronchoskopie und wiederholte Dilatationen an den Atemwegen durchgeführt werden müssen. Patientinnen und Patienten, die hohe Beatmungsdrücke und Sauerstoffkonzentrationen benötigen, müssen eventuell zwischenbeatmet werden, was zu einem erhöhten Risiko für Aerosolbildung führt.

Diskonnektionen vom Beatmungsgerät sollten vermieden werden, darüber hinaus sind größte Anstrengungen zu unternehmen um den Cuff des Endotrachealtubus während der Tracheotomie nicht zu beschädigen.

Abwägungen abhängig von lokal verfügbaren Ressourcen, Erfahrungen und Fachkompetenzen sollten jedoch stets in die Entscheidungsfindung bezüglich des anzuwendenden Verfahrens einfließen. Generell sollte jede Klinik ihren eigenen Algorithmus zur Tracheotomie erstellen und ein Kompetenzteam aus den erfahrensten Anwendern aufstellen, um durch einen reibungslosen Ablauf die Kontaktzeit des Teams mit dem Patienten möglichst gering zu halten. 

Algorithmus

Die folgenden Schaubilder sollen einen Überblick über das Vorgehen vor, während (am beispiel der operativen Prozedur) und nach der Tracheotomie geben (modifiziert nach ENT-UK).

Diese Website benötigt ein sogenanntes „Session-Cookie“ um das Kontaktformular vor Missbrauch zu sichern. Dieses Session-Cookie wird nach dem Beenden des Browsers automatisch gelöscht. Wenn Sie Cookies zustimmen, wird diese Zustimmung in einem weiteren Cookie für die Dauer von 4 Wochen gespeichert. Wir vewenden den Webanalysedienst Matomo um zu sehen, welche unserer Seiten für Sie interessant sind und so unser Angebot zu verbessern. Matomo setzt keine Cookies und anonymisiert Ihre IP-Adresse. Gewonnene Daten werden nicht mit anderen Daten oder Diensten zusammengeführt. Weitere Informationen, sowie die Möglichkeit von Matomo nicht erfasst zu werden, finden Sie in derDatenschutzerklärung.