COVID-19: Grundsätzliche Maßnahmen auf Intensivstationen(Stand: 01.05.2020)

Besonderheiten

Die Aufnahme COVID-19-positiver Patienten bedarf einer besonders sorgfältigen Vorbereitung und erfordert ein strukturiertes Vorgehen. 

Die Patienten werden meist mit einer sehr typischen Symptomatik aufgenommen. Es findet sich eine respiratorische Partialinsuffizienz mit zum Teil extrem niedrigen paO2-Werten und hoher Atemfrequenz, bei normalem oder sogar erniedrigtem paCO2. In einigen Fällen wurden extreme Diskrepanzen in den gemessenen Vitalparametern (SpO2 <50%) und der klinischen Präsentation (nahezu subjektive Beschwerdefreiheit) beobachtet. Dieses Phänomen scheint vor allem bei nicht vorerkrankten, jungen Patienten aufzutreten. 

Fallberichte legen nahe, dass auch spontan atmende, wache Patienten von einer Bauchlagerung profitieren. 

Ethische Überlegungen und patienteneigene Wünsche sind stets zu beachten!

Schutz des Personals

Bis zu 80 % aller Infektionen von medizinischem Personal erfolgt beim Ablegen der PSA. Um das Infektionsrisiko zu minimieren und Ressourcen zu sparen empfiehlt sich ein streng strukturierts An- und Auskleiden der Schutzkleidung mit sgn. Buddy-Check also gegenseitige Kontrolle der Prozedur nach dem Vier-Augen-Prinzip. 

Im Rahmen jeglicher aerosolgenerierender Maßnahmen wie z.B. Bronchoskopie oder Atemwegssicherung sollte eine adäquate PSA getragen werden (FFP3 Maske, Schutzkittel, Einweghandschuhe und Schutzbrille - siehe RKI).

Checklisten

Wir empfehlen den Einsatz von Checklisten (z.B. für Intubations-Inventar, aber auch für klinikeigene, standardisierte Abläufe). Dies dient der Vermeidung von Fehlern und garantiert vollständige Arbeitsabläufe. 

Bei der Durchführung aller Interventionen am Patienten empfehlen wir die sorgfältige Beachtung der folgenden Punkte: 

  1. Eine klare Rollenverteilung sollte außerhalb des Patientenzimmers antizipiert werden, die Markierung der Schutzbekleidung z.B. mit blauem Streifen (ärztliches Personal) oder roten Streifen (pflegerisches Personal) ist bei unbekannten Teams sinnvoll.
  2. Die Zimmerpräsenz sollte sowohl personell als auch zeitlich auf das absolute Minimum reduziert sein.
  3. Interventionen sollten gebündelt durchgeführt werden (z.B. Intubation, arterielle und zentralvenöse Kanülierung in einem Arbeitsgang), wenn möglich sollte parallel und nicht seriell gearbeitet werden.
  4. Die Team-Kommunikation ist aufgrund der PSA erschwert, gesagte Kommandos müssen durch einen “closed loop” bestätigt werden - mehr denn je gilt: "Gesagt ist nicht gehört, gehört ist nicht verstanden"! 
  5. Benötigte Materialien und Medikamente müssen vor Beginn der Intervention und vor dem Betreten des Zimmers auf Vollständigkeit geprüft werden. Es empfiehlt sich der Einsatz einer an die lokalen Gegebenheiten angepassten Checkliste. Das Vorbereiten von Intubationskisten mit dem nötigen Material für die Atemwegssicherung kann hilfreich sein.
  6. Wir empfehlen den Einsatz von Funkgeräten: Funkgerät 1 im Zimmer, Funkgerät 2 bei Springer außerhalb des Zimmers.
  7. Vor der Narkoseinduktion und Intubation sollte die Beatmung mit geschlossener Absaugung und Filter vorbereitet sein
  8. Die Gabe eines Vasporessors über einen peripheren Venenkatheter kann zur Überbrückung bis zur Etablierung eines zentralvenösen Katheters genutzt werden (Safety of peripheral intravenous administration of vasoactive medication)
  9. Die Anlage eines arteriellen Zugangs muss nicht zwingend vor der Intubation erfolgen. Überbrückend kann auch eine 1-minütige NIBP-Messung am kontralateralen Arm durchgeführt werden. Der richtige Zeitpunkt ist individuell festzulegen. Wir empfehlen die präemptive Anhebung des Blutdrucks vor Narkoseinduktion. 
  10. Die Verwendung von Ultraschall zur Bestätigung der korrekten Tubuslage und in Kombination mit intravasaler EKG Ableitung zur korrekten ZVK Anlage und Ausschluss eines Pneumothorax ist bei entsprechender Expertise zu erwägen. 

Spezielle Aspekte der Intubation bei COVID-19 werden in der Intubationsschulung besprochen. 

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