Aufnahme mit Covid-19 oder Verdacht auf Covid-19 auf Akutstationen(Stand: 26.04.2020)

Hinweis

Die im folgenden genannten Empfehlungen wurden teilweise online-first-Artikeln sowie Artikeln entnommen, welche aufgrund der Aktualität der Ereignisse noch nicht durch andere Wissenschaftlicher begutachtet (peer reviewed) wurden. Wir halten eine Veröffentlich für sinnvoll und freuen uns über Anregungen und Feedback zum Beispiel drüben bei Twitter. 
Unabhängig von den genannten Empfehlungen sind lokale Handlungs- und Dienstanweisungen zu berücksichtigen.

Belegungsmanagement

Covid / Non-Covid

Daten aus schwer betroffenen Regionen in China und Italien suggerieren, dass den Krankenhäusern eine herausragende Rolle bei der Geschwindigkeit von Infektionswegen zukommt.

Es wird empfohlen, infektiöse PatientInnen separat aufzunehmen (sgn. Covid-Boarding-Bereich am besten außerhalb der eigentlichen Notaufnahme) und diese PatientInnen über abgesonderte Wege direkt auf Station zu bringen. Idealerweise wird hierfür ein Weg außerhalb des Krankenhausgebäudes zur peripheren Station genutzt.

Kohortenisolierung

Ist eine strikte Aufteilung nicht möglich, so sollen die PatienInnen mit einem gesicherten Covid-19-Nachweis kohortenisoliert werden. Dieser Bereich soll zu einem roten Bereich erklärt werden und Personenverkehr soll stark eingeschränkt werden.

PatientInnen ohne Nachweis

PatienInnen ohne gesicherten Nachweis sollen einzeln untergebracht und bis zum negativen Nachweis als Risikogruppe behandelt werden. 

PatientInnen ohne klinischen Verdacht und ohne verdächtige Anamnese sollen möglichst fern von Risiko- oder InfektpatientInnen untergebracht werden. 

Dokumentation

Im Infektbereich ist auf Erreichbarkeit der Dokumentation zu achten. Wichtige Dokumente sollen kopiert werden und immer am Patientenbett bereit gehalten werden, so dass der Patiententransport ohne Verzögerungen statt finden kann.

Telemedizin und Funkgeräte

Damit das Personal so wenig wie möglich den Bereich verlässt, sind der Einsatz von Kommunikationshilfen wie etwa Funkgeräten zu überlegen. Es gibt auch Kliniken die mit dem Einsatz von Babyphones gute Erfahrungen gemacht haben.

Anamnese und Initialuntersuchung

Erstkontakt auf Normalstation: 

Vor der üblichen Erfassung der Daten im Pflegebogen sollte ein Abgleich der ggf. bereits in der Notaufnahme erfassten Informationen stattfinden. Zum Schutz des Personals sind auch sonst unübliche Maßnahmen in Erwägung zu ziehen. Die meisten Patienten geben bei Aufnahme eine Handynummer an, es ist durchaus möglich weitere personenbezogene Informationen auf diesem Weg zu erfassen. 
Ist dies nicht möglich so ist immer auf den größtmöglichen Abstand zum Patienten zu achten. 
Wenn bei einem Patienten der dringende, klinische Verdacht auf eine Covid-Infektion besteht, so ist beispielsweise eine differenzierte Reiseanamnese überflüssig und gefährdet nur unnötig das Personal. 
 

 

Leitsymptome:

  • Husten (55%)
  • Fieber > 37,7°C (39%)
  • Schnupfen (28%)
  • Halsschmerzen (23%)
  • Anosmie (30%, Verlust von Geruchs- und Geschmackssinn)

Wichtig zu beachten ist, dass diese Leitsymptome bis auf den Husten nicht mal bei der Hälfte der PatientInnen auftreten! Weiter Symptome können sein: 

  • Dyspnoe (3%)
  • unter Umständen auch gastrointestinale Beschwerden
  • CAVE: neue Daten legen nahe, dass Covid-19 sich z.B. auch hinter neu aufgetretenen Arrhythmien oder einem Myokardinfarkt verstecken kann

Quelle: https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/N/Neuartiges_Coronavirus/Steckbrief.html v. 5.4.2020

Es ist eine sorgfältige Reiseanamnese (auch der engsten Familienkontakte) zu erheben. 

Vital- und Überwachungsparameter

Die hochsensitiven Parameter 

  • Kognition
    wach, schläfrig, somnolent, bewusstlos
  • Atemfrequenz
    Atemzüge pro Minute, >21/min potentiell kritisch, >31/min sicher kritisch, siehe auch Early-Warning-Score)

lassen sich auch aus einiger Distanz beurteilen. 
Weitere wichtige Überwachungsparameter bei Covid-19-Patienten sind:  

  • Blutdruck
  • Herzfrequenz
  • Sauerstoffsättigung
  • Temperatur
  • Diurese
  • (Gewicht)

Wie oft und welche weiteren Parameter gemessen werden sollte individuell festgelegt werden. Es muss immer ein Nutzen (Entdeckung von intensivpflichtiger Interventionsnotwendigkeit) gegen das Risiko (Infektionsgefahr des Personals, Verbrauch von Schutzmaterial) abgewogen werden. Hier kann es keine generellen Empfehlungen geben. 
Anordnungen sind täglich auf ihre Sinnhaftigkeit zu überprüfen! 
Wir empfehlen die Etablierung und das Nutzen eines Early-Warning-Scores zur Entdeckung der kritisch erkrankten Patienten. 

 

Eskalation von Behandlungsmaßnahmen und der Patientenwille

Insbesondere bei erheblicher Komorbidität empfiehlt sich die frühzeitige Evaluation des Patientenwillens in Bezug auf eine Eskalation der Behandlungsmaßnahmen. Die diesbezüglichen Gespräche können an Seelsorger delegiert werden. 

Welchen Patienten sollte ein solches Gespräch zwingend angeboten werden? 
Das britische NHS empfiehlt die Beantwortung der Frage: 
"Würde es mich überraschen, wenn dieser Patient auch ohne zusätzliche Erkrankung innerhalb des nächsten Jahres verstirbt?" 
Ist die Antwort "Ja" so sollte in einer die Privatsphäre währenden Umgebung vor allem auch eine Aufklärung darüber stattfinden, dass der Verzicht auf eine Intensivtherapie keinen generellen Therapieverzicht darstellt, sondern eine Änderung des Therapieziels darstellt.
Statt des unbedingten Erhalt des Lebens um jeden Preis rückt der Erhalt der Lebensqualität und eine Vermeidung von Angst, Stress, Schmerzen oder Luftnot in den Fokus.  

 

Labor 

Routinemäßige Blutentnahmen sind vor dem Hintergrund eines Patient Blood Managements ohnehin kritisch zu hinterfragen. Bei Covid-Patienten ist diese Maßnahme um so strikter zu reevaluieren, auch um unnötige Patientenkontakte zu minimieren. 
Wenn notwendig sollten Laborentnahmen mit anderen Maßnahmen wie z.B. der Erfassung der Vitalparameter koordiniert werden. 
Empfehlenswerte Laborparameter bei Covid-19 sind:
BB, CRP, Natrium, Kalium, Creatinin, LDH (auch prognostisch), GOT/GPT, Gamma-GT, Quick/INR und aPTT nur nach individueller Fragestellung 

Wir empfehlen die Anlage eines hausinternen Standards (z.B. "Covid-Labor 1"). 

Überprüfen der Hausmedikation

Die Indikation der regulären Hausmedikation sollte bei relativen Kontraindikationen nach individueller Prüfung ggf. abgesetzt (z.B. orale Antidiabetika) werden. 
Die Bedarfsmedikation kann bei Covid-19 neben Analgetika, Antipyretika und evtl. Inhalativa) ggf. auch Antitussiva (zwecks Reduktion von Aerosol) umfassen. 

Ausstattung aller Bettenplätze mit Sauerstoffanschluss

Sauerstoffpflichtige Patienten sollten engmaschig auf eine Progredienz der respiratorischen Insuffizienz überwacht werden, zum Beispiel durch Auszählen der Atemfrequenz.
Der Vorteil liegt auch darin, dass kein direkter Patientenkontakt notwendig ist. Im Zweifel sollte immer eine gründlichere Untersuchung mit Erhebung weiterer Vitalparameter unter Vollschutz-PSA erfolgen.   

Volumentherapie

Eine ausgeglichene bis leicht negative Flüssigkeitsbilanz ist unter Berücksichtigung der Perspiratio (vor allem bei erhöhter Körpertemperatur!) anzustreben. 
Eine routinemäßige Bilanzierung und tägliches Wiegen der Patienten ist vor dem Hintergrund des Infektionsrisikos und nur nach individueller Abwägung festzulegen.

Thromboseprophylaxe

Die Thromboseprophylaxe kann nach Standard (Link zu S3-LL "Prophylaxe der venösen Thromboembolie (VTE)") erfolgen.

Angehörige

Es empfiehlt sich ein Merkblatt für Angehörige auf dem die wichtigsten Regeln erklärt werden. Wir empfehlen telefonische Sprechzeiten für Angehörige zu etablieren. Diese können sinnhaft außerhalb der Stoßzeiten z.B. vor der pflegerischen Übergabe eingerichtet werden. Es empfiehlt sich die Angabe einer separaten Telefonnummer um das stationseigene Telefon frei zu halten. 

Quellenverzeichnis

  1. https://pneumologie.de/fileadmin/user_upload/Aktuelles/2020-03-16_Statement_Asthma_und_COVID-19_F.pdf (aufgerufen am 26.03.2020)
  2. https://emcrit.org/ibcc/covid19/ (aufgerufen am 26.03.2020)
  3. Liang, Tinbo(Hrsg)(2020): Handbook of COVID-19 Prevention and Treatment, The First Affiliated Hospital, Zhejiang University School of Medicine Erreichbar unter:https://covid-19.alibabacloud.com/ (aufgerufen am: 27.03.2020)
  4. Cereda D., Tirani M., Rovida F., Demicheli V., Ajelli M., Poletti P., Trentini F., Guzzetta G., Marziano V., Barone A., Magoni M., Deandrea S., Diurno G., Lombardo M., Faccini M., Pan A., Bruno R., Pariani E., Grasselli G., Piatti A., Gramegna M., Baldanti F., Melegaro A., Merler S. (2020): The early phase of the COVID-19 outbreak in Lombardy, Italy, erreichbar unter: https://arxiv.org/ftp/arxiv/papers/2003/2003.09320.pdf (aufgerufen am 28.03.2020)

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